Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott.

Dietrich Bonhoeffer

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18. Sonntag im Jahreskreis | Wir brauchen einen, der das Teilen lehrt

18. Sonntag im Jahreskreis | 2. August 2020

Evangelium: nach Matthäus 14,13:

„In jener Zeit, als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken.

Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen.

Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht weg zu gehen. Gebt ihr ihnen zu essen.

Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. Er antwortete: bringt sie mir her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.

Und sie sammelten die übriggebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.“


Die wunderbare Brotvermehrung heißt der Text, den wir heute vom Evangelisten Matthäus gehört haben. Für unsere heutige Zeit formuliere ich so:

Wir brauchen keinen, der das Brot vermehrt.
Wir brauchen einen, der das Teilen lehrt.

Die wunderbare Brotvermehrung – es hat nun jeder die Freiheit zu entscheiden: Entweder ist das ein Tatsachenbericht oder eine Symbolgeschichte. Ganz gleich wie sich einer entscheidet: Es geht immer ums Teilen und Austeilen.

Allen vier Evangelisten war es wichtig: Die Sache mit der Brotvermehrung in ihrem Evangelium zu haben. Schauen wir uns diese vier Texte an. Drei Evangelisten erzählen: Jesus fordert seine Männer auf, zuerst einmal in den eigenen Rucksäcken nachzuschauen, was da ist. Im Johannesevangelium ist es jedoch ein kleiner Junge, der schon in seinem Rucksack nachgeschaut hat und vorzeigt, was er hat. Schon diese kleine Nuance im Text zeigt, wie aktuell dieser Text der Brotvermehrung ist: für unser persönliches, privates Leben, für die Staaten unserer europäischen Union, für die Staaten der Welt bis zur UNO. Einmal vorzeigen, was jeder hat, um festzustellen: Es reicht für alle.

Jesus hat da – was wir Brotvermehrung nennen – tatsächlich ein Wunder gewirkt, aber wie? Vielleicht ist die Erklärung ganz einfach: Zuerst sollen sich die Leute ja einmal ins Gras setzen. In kleineren Gruppen ist man nicht mehr so anonym, man sieht sich auch an und kommt vielleicht miteinander ins Gespräch. Der Kontakt ist geschaffen.

Ja, und dann ruft Jesus seine Gruppe zusammen. Die Taschen und Rucksäcke der Jünger sind also offen – und auch der Junge zeigt vor, was er hat. Und da spricht Jesus jetzt sein Dankgebet und sagt dann seinen eigenen Leuten ganz bestimmt, fast energisch: austeilen.


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Gottesdienstanzeiger August 2020

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