Der Auftrag Christi muss erfüllt werden“, sagte ein Liturgiewissenschaftler in jenen Tagen. Das ist wahr. Nur: Müssen wir nicht viel intensiver nachfragen, worin der Auftrag Christi heute an uns, an die Gläubigen und an die Kirche, besteht? Haben wir uns vielleicht zu sehr daran gewöhnt, alles was wir (liturgisch) tun, mit dem Willen Christi gleichzusetzen?

Egbert Ballhorn
Prof. für Altes Testament
Dortmund

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Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis | Worte, die heilen

Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis | 12. Juli 2020

Evangelium nach Matthäus 13,1

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in das Boot und setzte sich. Die Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in der Form von Gleichnissen.

Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war. Als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre.
 

In der deutschen Sprache kennen wir die Unterscheidung zwischen Wörtern und Worten. Wörter gibt es viele – aber Worte – sie sind eher rar. Heute geht es in den beiden Bibeltexten im Alten Testament und im Evangelium um Wort Gottes mit einer großen inneren Dynamik.

„Herr, Du hast Worte – Worte des Lebens - Worte wie Brücken zu Ufern des Lichts …“, so beginnt ein modernes geistliches Lied. Worte, die heilen, Worte gefüllt mit Leben. Das ist die Sehnsucht eines jeden Menschen. Wir Christen heißen Jesus das Wort des lebendigen Gottes. Wort des lebendigen Gottes – das haben die Menschen von damals schon gespürt, die sich am Ufer des Sees um ihn versammeln. Viele liefen zusammen, als sie Jesus am Ufer des Sees sitzen sahen. „Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Der Leute aber standen am Ufer. Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen.“ Es lohnt sich, ein wenig bei diesem Bild, bei dieser Szene zu verweilen. Jesus hat eine magische Anziehungskraft, eine Faszination, die Menschen in seinen Bann zieht. Und das hat seinen Grund. Sein Name sagt schon alles: Jesus – Gott ist Heil. In der Mitte seiner Verkündigung steht – völlig im Gegensatz zu den religiösen Lehrern und dem priesterlichen Establishment der damaligen Zeit – ein Gott, der nicht mit Strafen daherkommt.

Wenn wir in dieser Bildgeschichte der Acker sind, dann müssen wir davon ausgehen, dass das Saatgut in Ordnung ist, nämlich das Wort Gottes. Da werden keine Sprüche gemacht. Es ist nun – so empfiehlt Jesus – der Acker genauer zu besehen: Die Steine, die auch immer Stolpersteine sind, die Dornen und Disteln, die ins Kraut schießen, der Trampelpfad meiner Gewohnheiten, alles Hindernisse, dass überhaupt etwas wachsen kann. Alles, was Leben behindert, was Wachstum und Gedeihen unmöglich macht, muss beim Namen genannt werden.

Es muss aber nun ebenso genannt werden das gute Erdreich, das nicht nur eine normale Ernte bringt, sondern hundertfach, sechzigfach, dreißigfach. Ist das orientalische Übertreibung, die Jesus so reden lässt? Keineswegs. Denn das Wort Gottes ist nicht ein Weizenkorn, das zehn bis zwanzig Körner bringt, wenn du in der Ähre abzählst.

Diese Bildgeschichte vom Sämann, die auf den ersten Blick so moralisch daher kommt, ist von Jesus gemeint als Mutmach-Geschichte: Weder die Steine, noch die Disteln, noch der Trampelpfad können hindern, dass das Wort Gottes bei uns ankommen und solche Wirkung zeigen kann. Man darf die Bildgeschichte auch noch etwas weiterführen: Gesät wird ja in jedem Jahr. Wenn es in diesem Jahr bei mir mit guter Erde noch nicht klappen wollte, es gibt ein nächstes Jahr mit neuer Aussaat und die Hoffnung, dass es bei mir mit der Erde besser geworden, ganz anders geworden ist.

Wörter gibt es viele – Worte dagegen sind selten. Ich erinnere mich an ein Predigtgespräch mit geistig behinderten Menschen mit den Bibeltexten zum heutigen Sonntag. Begonnen hatte ich mit der Behauptung: Wörter gibt es viele – Worte dagegen sind selten. Der Unterschied war in unserem Gespräch bald klar: Wörter gehen ins eine Ohr hinein und durch das andere wieder hinaus. Worte dagegen treffen ins Herz. Und da gibt es Worte, die verletzen, verwunden, sogar töten. Und es gibt Worte, die heilen und Leben schenken. Böse und gute Worte.

Wir sprachen darüber, dass oft „ein Wort das andere gibt“ und die Wirkung ist sofort da: heilloses Durcheinander und Missverstehen, Verletzung und Verwundung. Ein gutes Wort braucht aber manchmal viel Zeit, bis es seine Wirkung tut: heilend, Leben schenkend.

Und dann waren wir bei unserem Predigtgespräch schon beim Samen. Der Same, ein Bild für Wort Gottes. Wo Gott zu uns und in uns redet, ist Keimen und Wachsen angesagt. Da ist Geduld gefordert. Da geht es auch leise zu. Wir haben in unserem Gespräch vieles zusammengetragen, wo und wie Gott zu uns redet, wo und wie man Gottes Wort hört, wenn man es hören will – mit den Ohren des Herzens.

Die Corona-Krise bringt ganz gehörig unser Verständnis von Gottesdienst durcheinander. Das merkt jeder von uns. Diese Krise – Krise heißt ja Unterscheidung – gibt uns den Mut, mit den Ohren des Herzens zu hören. Das heißt: Zu unterscheiden, was in unserem Gottesdienst wirklich als Wort des lebendigen Gottes gelten darf und was eher fromme Wörter ohne Inhalt sind.

Das heutige Evangelium kann man auch zerreden und zum Unsinn hin zerpflücken, deshalb trage ich jetzt zum Ende hin den Psalm 65 vor. Er spricht nochmals mit anderen Bildern vom Wachsen und Gedeihen.

Dein Wort, Herr fiel auf guten Boden
Und brachte reiche Frucht.
Du sorgst für das Land und tränkst es.
Du überschüttest es mit Reichtum.
Der Bach Gottes ist reichlich gefüllt.
Du schaffst ihnen Korn.
So ordnest du alles.

Du tränkst die Furchen,
ebnest die Schollen,
machst sie weich durch Regen,
segnest ihre Gewächse.
Du krönst das Jahr mit deiner Güte
Deinen Spuren folgt der Überfluss.

Georg Kappeler SJ
Bild: Marc Urhausen | In: Pfarrbriefservice.de

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Schaufrömmigkeit, ein fragwürdiger Sinn von ‚Stellvertretung‘, neu erfahrene Gemeinschaft unter Gläubigen – was bedeuten die Unterbrechungen der Corona-Krise für den gelebten Glauben? Egbert Ballhorn spürt seinen persönlichen Erfahrungen nach.


  Bild: Klaus Kegebein | In: Pfarrbriefservice.de

Dr. Egbert Ballhorn ist Professor für Altes Testament in Dortmund und Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks e.V.

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