Aschermittwoch | La Quarantaine

ASCHERMITTWOCH | 17. Februar 2021
La Quarantaine

Aus dem Evangelium nach Matthäus (6,1–6.16–18):

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.

Wenn Du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch, Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich bei dem Gebet gerne in die Synagogen, und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließe die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübsinniges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

La Quarantaine – mit diesem französischen Wort überschreibe ich den heutigen Abend und die kommenden Wochen. Sogar Schulkinder kennen das Wort Quarantäne, mussten vielleicht sogar in Quarantäne. Das französische Wort quarantaine heißt auf Deutsch: „um die vierzig“. Um die vierzig Jahre waren die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten unterwegs in der Wüste Sinai. Um die vierzig Tage war Jesus in der Wüste, bevor er den Menschen vom Reich Gottes erzählte. Von der Bibel haben wir also das Wort Quarantäne. Vierzig Tage sind es von Aschermittwoch bis Ostern – unsere Quarantäne, die Fastenzeit. Um die vierzig, so wissen es kundige Frauen und Männer in vielen Völkern, um die vierzig sollte der Mensch allmählich verstehen können, wozu der Mensch da ist, wo er ist. In der leiblichen und seelischen Quarantäne, in der Wüste stellen sich solche Fragen: wozu das alles? ⇒⇒⇒

Mit einem beeindruckenden Ritual wird die Frage noch unterstrichen: ein wenig Asche auf unseren Kopf oder auf die Stirn und dazu die Bemerkung „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“. Eindeutiger geht es wohl nicht mehr. Die augenblickliche Pandemie verstärkt nur noch ein wenig diese Einsicht.

Der Aschermittwoch konfrontiert uns mit der „Asche“ im eigenen Leben. Er mutet uns die Begegnung mit den Rückständen gescheiterter Lebensversuche zu, mit Vergänglichkeit, Schwäche und Schuld. Das sind gerade die Punkte im Leben, denen wir gerne ausweichen. Verdrängen funktioniert zunächst auch. Doch auf lange Sicht hilft nur Ehrlichkeit sich selber gegenüber, damit wir nicht in der Asche sitzen bleiben.

Das Ritual des Aschermittwochs kennt aber nicht nur den Rückblick, sondern noch viel mehr den Ausblick. Er beginnt mit dem Gebet:

Ich bin nicht nur Asche Herr, unter der Asche schwelt, wie du weißt, die Glut, die neu entfacht werden will.

Der alternative Spruch im Aschermittwochsgottesdienst lautet: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Das sind Worte Jesu: Lebe dein Leben bewusst, mit dem Wissen, um seine Einmaligkeit und mit dem Bewusstsein, dass mit dir ein einmaliger, unersetzbarer Mensch auf der Erde ist.

Um die vierzig Tage war Jesus in der Wüste. Vierzig Tage geht unsere Quarantäne – die Fastenzeit. Da ringen wir miteinander um ein neues Denken, um ein neues Glauben, Hoffen und Lieben. Darum hat Jesus auch selber gerungen.

Georg Kappeler SJ
Bild: Christian Schmitt | in: Pfarrbriefservice.de