Christkönigsfest | ... das habt Ihr mir getan

Christkönigsfest | 22. November 2020

Evangelium nach Matthäus (25,31 f)

„In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid. Empfangt das Reich als Erbe, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.
Ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben.
Ich war krank und ihr habt mich besucht.
Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen ich sage euch: was ihr für eine meiner geringsten Schwestern oder Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
 

Christkönigfest im Jahre 2020 – was kann es bedeuten?

Die Könige von heute sind weitgehend zu Figuren der Illustrierten geworden. Der Kunde ist König, heißt es heute, aber nur der Kunde, der Geld hat. Viele Menschen machen heute auch keine guten Erfahrungen mit ihren Herrschern, die an die Stelle von Königen getreten sind: Gewaltherrscher in vielen Ländern dieser Welt.

Sicher, es gibt viele Menschen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, die sich gewissenhaft einsetzen, um mit ihren Möglichkeiten dem Leben der Menschen zu dienen. Die weltliche Herrschaft jedoch ist kein Bild mehr für die Herrschaft Gottes. Das Geld scheint zum neuen Götzen geworden, dem alles zu dienen hat.

Christus als König dagegen – er ist auf der Seite der Opfer zu finden, bei den Armen, den Gefangenen, den Hungernden, den ihrer Würde Beraubten. Jedes Opfer ist ihm unendlich viel wert, so dass er sich mit ihm identifiziert: Was ihr den Geringsten, meinen Schwestern und Brüdern getan oder nicht getan … ⇒⇒⇒

Da baut sich ein Reich auf, für das kein Mensch unwichtig und kein Leid gleichgültig ist. Dieses Reich baut sich auch dort auf, wo man nichts von ihm weiß. Die Guten und die Bösen ahnen ja nicht, dass es zugleich um den König dieses Reiches geht, wo sie sich den Opfern zuwenden oder sie links liegen lassen. Der große Theologe Karl Rahner hat einmal von den anonymen Christen gesprochen, die zwar keinen Taufschein besitzen, aber auf der Spur Jesu sind. Diese so erfreuliche Erfahrung darf ich auch jetzt gerade machen, wo Menschen verschiedener Religion miteinander Hilfe organisieren für Menschen in Not in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Uns interessiert da nicht, wer die bessere Religion hat, uns interessiert nur der Mensch, der Hilfe braucht.

Der Menschensohn im Bild vom Weltgericht fragt nicht nach Religion und Konfession. Unsere Welt kann eine intensive Konkurrenz der Religionen vertragen in der Frage, wie in ihnen Menschen geöffnet werden für den Menschen in Not.

Dieser Dienst an den Opfern geschieht nicht nur in der unmittelbaren Begegnung, sondern auch und gerade durch den gemeinsamen Einsatz für eine Änderung der unterdrückenden Strukturen, für eine Entschuldung der arm gemachten Völker, für gerechtere Wirtschaftsformen, für eine neue Achtung der Menschenrechte und Menschwürde der Ärmsten, gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten, von Frauen als Prostituierte.

Wie kann ich Gott finden in unserer Welt? Unter den Armen auf der ganzen Welt. An ihnen vorbei sicher nicht, auch nicht mit noch so richtigen und guten Glaubensbekenntnissen und Gottesdiensten.

Das Christkönigsfest stellt uns mitten hinein in unsere Zeit mit ihren Machtkämpfen im Großen wie im Kleinen, mitten hinein in den Kampf um Markt und Macht. Die Königsherrschaft Jesu dagegen ist Dienst an den Menschen und ihrem Leben.

Das Christkönigsfest ist alles andere als triumphalistisch. Dieses Fest kann auch nur eine demütige Kirche feiern, die selber um ihre Verstrickung in weltliche Macht weiß, die auch ihre geistliche Macht nicht missbraucht, um Gewissen zu unterdrücken, sondern um zum Leben zu befreien.

Ich möchte an dieser Stelle auch einmal ein gutes Wort sagen für Menschen, die man in kirchlichen Kreisen oft Taufscheinchristen nennt – oder gar Karteileichen in kirchlichen Büros. Es sind oft Menschen, die nicht nur ihre Kirchensteuer bezahlen, sondern sich auch finanziell an den Hilfswerken unserer Kirche in Deutschland beteiligen. Ich selber frage mich immer wieder: Liegt es nicht auch an dir, dass diese Menschen mit Kirche nichts anfangen können?

Gerade angesichts des Zustandes unserer Welt brauchen wir einen König der Hoffnung für die Menschen, die armen, entrechteten, gefolterten, entwürdigten Menschen.

Herr Jesus Christus, Du unser König.
Dein Reich ist die Alternative
Zur Herrschaft von Macht und Geld.
Dein Reich ist die Hoffnung der Menschen.

Georg Kappeler SJ