Dritter Ostersonntag | Was ist geblieben?


Predigt von P. Georg Kappeler SJ
Dritter Ostersonntag, 1. Mai 2022

Evangelium: nach Johannes 21,1:

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise: Simon Petrus, Thomas, Natanael aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wußten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zum Essen. Sie antworteten ihm: nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fisch war es …

Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt… Jesus sagte zu ihnen: kommt her und esst. Keiner von den Jüngern wagte iihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wußten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

Das war das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

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Was ist vom diesjährigen Ostern für jeden von uns geblieben? Vor Jahren bekam ich nach der Osternachtfeier am frühen Morgen einen großen Schokolade-Osterhasen in Cellofanpapier kunstvoll verpackt. Ich stelle ihn zu Hause auf die Fensterbank. Nach dem Frühstück musste ich wieder fort zum Festgottesdienst. Als ich mittags nach Hause kam, war der Hase nicht mehr da – wohl aber das Cellofanpapier und am Boden der Cellofantüte eine braune Schokoladensauce. Die Sonne hatte den kostbaren Kerl geschmolzen.

Was ist uns von dem diesjährigen Ostern persönlich geblieben?

„Mein barfüßig Lob“ heißt ein kleines Gedicht des Schweizer Pfarrers und Dichters Kurt Marti. Es geht so:

Die großen Wörter
zu große Schuhe
Was ist zu tun?
Barfuß dann halt

Bei diesem Gedicht hat man ein kleines Mädchen vor Augen, das in die Stöckelschuhe seiner Mami geschlüpft ist und versucht darin zu laufen.

Auf ganz feinfühlige und gar nicht verletzende Weise stellt das kleine Gedicht die Frage: die großen Wörter von Ostern, mit denen wir daher kommen – sind es Worte des Lebens für den Einzelnen – für die ganze Gemeinschaft der Glaubenden – für eine Welt, die dringend der Worte des Lebens bedarf?

In vielen Gesängen und Gebeten zu Ostern kommt der Auferstandene in der Siegerpose daher. In den Ostergeschichten der Evangelien dagegen geht es „barfüßig“ zu:

  • Da begegnet Mirjam aus Magdala einem Gärtner, der nur ihren Namen ausspricht und alles bedeutet Leben.
     
  • Auf dem Weg nach Emmaus ist es ein Wanderer, der das Herz brennen lässt
     
  • zu den Jüngern, die sich verrammelt haben, sagt er als erstes „Der Friede sei mit euch“
     
  • Thomas darf den Finger in seine Wunde legen
     
  • Im Evangelium heute: da wird es zum ‚Schmunzeln am See von Tiberias: In der Morgenfrühe macht Jesus Feuer und schickt seine Jünger zum Fischen. Als sie zurückkommen, ist das Frühstück fertig. Osterbrunch sagt man heute dazu.

Alles in diesen Ostergeschichten ist Begegnung – in diesen Begegnungen ereignet sich Leben – von Siegen und Herrschen keine Spur – „Barfuß“ ist da alles – wirkliches Leben.

Was ist uns vom diesjährigen Ostern geblieben? Ich formuliere das für uns einmal in ein ganz persönliches Credo:

Ich glaube Gott
Weil das Erfahren von Liebe und Begegnung
Von Fragen und Zweifeln
Von Gemeinschaft und Einsamkeit
Mich auf ihn hoffen lässt

Ich glaube Gott,
der nicht herrscht, sondern wirkt
indem er allem Sinn verleiht, weil er alle liebt.

Ich glaube Jesus Christus,
der durch sein Wort und sein Handeln
durch seine Begegnung mit Menschen
uns einen Weg gezeigt hat,
auf dem wir anderen helfen,
auf dem uns selbst geholfen wird.

Ich glaube Jesus Christus,
der sterben musste
weil er so vieles in Frage gestellt hat.
Ich glaube an seinen Tod
Als Beginn von neuem Leben.

Ich glaube dem heiligen Geist,
an das Leben Gottes in uns,
in den Menschen, die den Weg Jesu gehen,
und in denen, die einen anderen Weg zum Heil gehen.

Der Schweizer Pfarrer und Dichter Kurt Marti hat dazu sein „barfüßiges“ Ostergedicht:

Ihr fragt
Gibt’s eine Auferstehung der Toten?
Ich weiß es nicht.

Ihr fragt
Gibt’s keine Auferstehung der Toten?
Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur
Wonach ihr nicht fragt:
Die Auferstehung derer die leben

Ich weiß nur
Wozu er uns ruft:
Zur Auferstehung heute und jetzt.

Georg Kappeler SJ