Fest Kreuzerhöhung | Damit die Welt durch ihn gerettet wird

Patrozinium in Heilig Kreuz 2020 | 13. September 2020


Evangelium nach Johannes 3,13:

„In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen, außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.

Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern, damit die Welt durch ihn gerettet wird.“


Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern, damit die Welt durch ihn gerettet wird. Diesen Satz werden wir uns merken! Mehr an Glaube braucht es nicht.

Eine ganze Nacht reden Jesus und Nikodemus miteinander und das Gespräch endet mit diesem Satz. Wenn uns Christen jemand fragt: Was ist Dein Glaube wert in diesen Zeiten der Pandemie, werden wir antworten können: Gott wird diese seine Welt nicht vor die Hunde gehen lassen. Mit diesem Garantieschein Jesu werden wir auch das uns Mögliche tun, dass niemand vor die Hunde gehen muss.

Unser Festtag, das Patrozinium von Heilig Kreuz im Jahr 2020, geht auch mit kleinem Chor, ohne Blasmusik und gefüllte Kirchenbänke. Unser Patrozinium feiern wir mit dem Ehrenwort Jesu: Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern, damit die Welt durch ihn gerettet wird. Jetzt sind wir – coronabedingt - nur 40 Leute in der Kirche, die das Wort Jesu gehört haben. Sagen wir es weiter, wo immer auch das Gespräch von der Corona-Krise handelt. Mehr an Perspektive mit Zuversicht hat nämlich niemand zu bieten. Mit dem Wort Jesu brauchen wir nicht hinter dem Berg zu halten. Patrozinium 2020 völlig im Trend, sagt man dazu wohl heute.

Ist es nun Zufall oder ein kräftiger Schuss Geist Gottes, wenn am Festtag Kreuzerhöhung für unser Patrozinium 2020 gerade dieser Evangelientext vorgetragen und gehört werden soll, der passgenau auf unsere krisenhafte Weltsituation passt?

Wer unsere Kirche betritt, wird sofort von der Faszination des Chorraumes beeindruckt sein. Ein Chorraum, der etwas Himmlisches anzudeuten scheint und in dieser Sphäre unübersehbar Jesus Christus – ohne die Kreuzesbalken, die Arme ausgebreitet, als wolle er uns alle umarmen, damit wir alle in dieser, in seiner Sphäre sind. Jedes Zusammensein in dieser Kirche ist eine Umarmung durch Jesus Christus.

Ein anderer Gedanke drängt sich auf beim Blick auf die mächtige Figur im Altarraum: Jesus ist nicht mehr angenagelt – nur am Kreuz war er angenagelt – zuvor aber hat er sich nie festnageln lassen auf die Meinungen der Menschen, auf ihre Urteile und Vorurteile. Ein Mensch von innerer Freiheit – so haben die Menschen von damals Jesus erfahren. Und sie haben geahnt, dass solche Freiheit nur von Gott stammt. Wie viel Botschaft steckt in diesem nicht angenagelten Christus für uns Christen von heute? Oder wie es in der zweiten Lesung zu hören war: Wir beugen unser Knie nur vor diesem Herrn Jesus Christus. Die Begegnung der Menschen von damals mit diesem Menschensohn hat sie frei gemacht und befreite Persönlichkeiten werden lassen. Wir spüren, wie solches Befreitwerden gerade heute nottut. Die Corona-Maßnahmen haben – wir spüren es – so manches in unserer Kirche ins Rutschen kommen lassen. Ich denke jetzt gerade an die Erstkommunion, die die Kinder und die Eltern ganz schön beutelt. Darin steckt unausgesprochen aber auch die gute Frage: Wird es auch eine Zweitkommunion der Kinder und deren Eltern geben?

Machen wir uns darauf gefasst, dass uns in den nächsten Monaten noch manches in unserer Kirche durcheinanderbringen kann.

In jedem Jahr hat unser Patrozinium wieder eine ganz eigene Färbung. Zum Patrozinium 2020 nehmen wir am besten alle Farben des Regenbogens. Denn die Farbe Schwarz und die Schwarzmalerei sind keine Hilfe, die uns Zuversicht gibt. Das haben schon die Künstler im Chorraum unserer Kirche ausdrücken wollen.

Georg Kappeler SJ
Foto: © Marius Langer